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Hauser von Christen in Istanbul gekennzeichnet (Γερμανικά, German)

27 Αυγούστου 2009

Pogrom. Painting of Manuil Shechtman 1927.

Pogrom. Painting of Manuil Shechtman 1927.

Kurdische Vertreter im Parlament verlangen Aufklarung – Noch ist ungeklart, wer hinter der Aktion steckt

Die kurdische Parlamentsabgeordnete Sebahat Tuncel sorgt mit einer Parlamentsanfrage uber eine mogliche Kennzeichnung christlicher Hauser derzeit fur Aufsehen: Demnach wurden in den letzten Wochen Hauser in Sisle und Samatya, Gegenden in Istanbul, in denen viele Armenier und Griechen leben, mit roten oder grunen Zetteln gekennzeichnet. Tuncel will von Innenminister Besir Atalay wissen, wer hinter dieser Kennzeichnung steckt und welchen Sinn das haben soll.

Die Anfrage von Sebahat Tuncel geht auf einen Bericht in der armenisch-turkischen Wochenzeitung Agos zuruck. Wie Agos-Redakteur Ariz Nalci dem Standard bestatigte, hatten beunruhigte, «uberwiegend altere Angehorige der armenischen Community» bei der Zeitung angerufen und daruber berichtet, dass an ihren Hausern kleine rote oder grune Zettel pickten. Man ging der Sache nach und stellte fest, dass rund 100 Hauser, in denen nicht immer, aber doch sehr haufig Armenier leben, mit diesen Zetteln, die ungefahr die Große eines U-Bahn-Tickets haben, beklebt seien.

«Wir wissen nicht, was das bedeuten soll», sagte Nalci, aber etliche Leute seien beunruhigt. Nachfragen bei der Stadtverwaltung und der Polizei haben bislang kein Ergebnis gebracht. «Niemand weiß davon», sagt Nalci, weshalb nun die Abgeordnete Tuncel den Innenminister aufgefordert hat, die Sache aufzuklaren. «Es kann ein schlechter Scherz sein», sagte Nalci, «es kann aber auch einen ernsten Hintergrund haben.»

 So geht aus der Anklageschrift gegen die nationalistische Ergenekon-Gruppe, der vorgeworfen wird, einen Putsch gegen die Regierung von Ministerprasident Erdogan vorbereitet zu haben, hervor, dass Anschlage auf Armenier als ein Mittel fur eine gezielte Destabilisierungskampagne vorgesehen waren.

Vor zweieinhalb Jahren wurde der Chefredakteur von Agos, Hrant Dink, vor der Redaktion von einem rechtsradikalen Jugendlichen erschossen. Die Hintermanner dieses Mordes werden ebenfalls bei Ergenekon vermutet.

Bis sich jetzt Sebahat Tuncel der Geschichte mit den Zetteln annahm, war das Ganze lediglich eine lokale Geschichte. Weder der Sprecher des griechischen Patriarchats, Dositeos Anagnostisois, noch der Pfarrer der evangelischen Gemeinde, Holger Nollmann, wussten davon. Agos und Sebahat Tuncel verlangen nun, dass die Polizei eine offizielle Untersuchung vornimmt, um die Betroffenen zu beruhigen. «Sie sollen offentlich dazu Stellung nehmen», sagte Nalci, «damit wir wissen, was los ist.»

In der Vergangenheit, zuletzt 1955, war es mehrmals zu Ausschreitungen gegen die christlichen Minderheiten gekommen. (Jurgen Gottschlich aus Istanbul/DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2009)

http://derstandard.at/fs/1250691242615/Haeuser-von-Christen-in-Istanbul-gekennzeichnet