Auf DeutschΟρθόδοξη πίστη

Nichtchristliche Zeugnisse des 1. und 2. Jahrhunderts über Christus

22 Απριλίου 2010

Manche, die glauben wollen, Christus habe es nie gegeben, verbreiten die verschiedensten unhistorischen Aussagen, indem sie behaupten, dass es angeblich keine Zeugnisse über Christus in nichtchristlichen Quellen gebe. Im Folgenden wollen wir Daten über solche nichtchristlichen Quellen, die erhalten geblieben sind, vorstellen.

Quelle auf griechisch: http://oodegr.com/oode/grafi/kd/exwxr.pig1.htm

– Die Seltenheit der Zeugnisse

– Nichtchristliche Quellen aus zwei Jahrhunderten

Weiterlesen…

1.  Flavius Josephus
2.  Pontius Pilatus
3.  Thallus
4.  Mara Bar Serapion
5.  Tacitus
6.  Sueton
7.  Plinius der Jüngere

– Autoren des 2. Jahrhunderts

8.  Numenios
9.  Phlegon
10. Galenos
11. Lukian
12. Celsus
13. Zeugnisse von Häretikern
14. Rabbinische Literatur
Die Seltenheit der Zeugnisse

Bevor die nichtchristlichen Zeugnisse über die Historizität der Person Jesu Christi aufgeführt werden, lohnt es sich, eine Anmerkung über die Anzahl dieser Aussagen zu machen.

Es sind deren wenige. Obwohl die wichtigsten Geschehnisse im Leben Christi und der Anfänge Seiner Kirche, wie sie in nichtchristlichen Quellen bezeugt werden, deutlich genug sind, gibt es nur wenige solcher Zeugnisse. Wenn man jedoch die Dinge näher betrachtet, wird man sehen, dass letztendlich das Merkwürdige nicht die Seltenheit der Berichte über Jesus ist, sondern die Tatsache, dass seine Zeitgenossen, nicht christliche Autoren, das Werk Christi überhaupt einer Erwähnung für wert erachteten, wenn auch in begrenztem Umfang.

Die Erklärung dafür ist, dass zu der Zeit, als das Christentum entstand, religiöse Angelegenheiten in der Regel kaum Interesse bei den Philosophen oder bei der gebildeten Klasse hervorriefen. Die Intellektuellen damals betrachteten – in Übereinstimmung mit Gibbon (aber mit auch den Worten Christi selbst) – alle Religionen gleichermaßen als Lüge. Vielleicht passten sie sich äußerlich noch ihren Forderungen an, innerlich aber waren sie nicht nur schwankend geworden, sondern gänzlich ungläubig. Die Aufmerksamkeit der Schriftsteller war hauptsächlich auf politische Ereignisse gerichtet, während geschichtliche oder kulturelle Vorkommnisse an zweiter Stelle standen.

Wenn aber diese Schriftsteller jede Religion gleichgültig ließ, so rief die Religion der Juden mehr als alles ihre Abneigung und Verachtung hervor. Denn in jener Epoche war einerseits der wahre Gott der Juden für die meisten ein paradoxes, unverständliches und gänzlich fremdes Wesen, und andererseits waren die Juden ein verhasstes Volk, das Verachtung und Feindschaft unter den Völkern verdiente. Als natürliche Folge also konnte das Christentum, das aus dem Schoß des Judentums hervorgegangen war, nicht das Interesse der heidnischen Schriftsteller wecken. Zudem wurde es anfangs nur für eine Sekte unter all den anderen Sekten des Judentums gehalten, welche sich damals in großer Zahl entfalteten und die aufgrund ihrer Streitigkeiten miteinander und ihrer abstoßenden Bräuche und Rituale nicht in der Lage waren, das ernsthafte Interesse irgendeines heidnischen Beobachters zu wecken.

Außerdem war Jesus für die heidnischen Schriftsteller in den ersten Jahren des Christentums, als es noch nicht als die religiöse Bewegung aufgetaucht war, die die Welt in ihren Grundfesten erschüttern sollte, einfach ein junger Jude, der von seinen Landsleuten hingerichtet worden war wie so viele andere vornehme Leute und Adlige, die zu Tausenden von Herodes und seinen römischen Nachfolgern ermordet wurden. Als z.B. Porcius Festus, der römische Statthalter von Palästina, König Agrippa  die Anklage gegen Paulus vorträgt, spricht er vom Christentum als handele es sich um einen Aberglauben, der die Juden betrifft, und über den Gründer des Christentums spricht er als von einem «gewissen Jesus … der  gestorben ist, von dem Paulus aber behauptet, er lebe.»  (Apostelgeschichte 25,19; Greg. Papamichail, „Ο Ιησούς ως ιστορικόν πρόσωπον», 2. Aufl., Athen 1923, S. 104.)   Hingegen werden Thevda, Judas den Gavloniti und Matthias Margaloth, die Zeitgenossen Jesu waren und die Rolle des Messias für sich beanspruchten, die sich gegen die römische Macht wendeten und von ihr vernichtet wurden, von diesen Schriftstellern überhaupt nicht erwähnt. Dieses Schweigen der heidnischen Schriftsteller, was diese „Pseudo-Messiasse» betrifft, überrascht uns weder noch wundert es uns. Aber warum wundern wir uns, wenn dieselben Schriftsteller auch kein (besonderes) Interesse für Jesus gezeigt haben?  Die heidnischen Schriftsteller, die sich weit weg vom Judentum befanden, hielten vielleicht auch Jesus anfangs für einen Aufständischen oder irgendeinen Hitzkopf, einen, der absurdes Zeug redet, und der, nachdem er sich heftig gegen seine eigenen Landsleute gewendet hatte, von ihnen gekreuzigt und von der römischen Macht zerrieben wurde.

Natürlich beurteilen wir heute diese Epoche rückblickend auf die riesigen Veränderungen, die das Christentum ins Leben der Menschheit gebracht hat, und wir stehen unter dem starken Eindruck, den diese große Veränderung geistig in uns hervorgerufen hat. Und wir stellen uns etwa vor, dass diese große Kraft des Christentums von Anfang an so erschienen sei, wie wir sie heute sehen. Wir vergessen, dass dieser großartige Berg, der die ganze Welt erobert hat, am Anfang wie ein kleines Steinchen zur Erde geworfen wurde, äußerlich klein, innen jedoch von wunderbarer, aber unsichtbarer Kraft. Das Christentum erschien weder als Stoß einer gewaltsamen Macht noch als Schlag eines blitzschnellen Umsturzes, wodurch sein Erscheinen allen wahrnehmbar geworden wäre. Die Art und Weise, wie das Christentum erschien und sich verbreitet hat, ist vielmehr einer leisen, aber ständig arbeitenden Gärung vergleichbar, die ohne lautstarke Explosionen schweigsam den Teig mit der Hefe mischt. Wer hätte also zu Beginn die zukünftige Verbreitung des neuen Glaubens und seine ungeheuren Wirkungen vorausahnen können, die Spuren, die sein Erscheinen in der Geschichte der Welt hinterlassen würde? Das macht  verständlich, weshalb Philo keinerlei Angaben macht. Philo, der zwischen 15 und 21 vor Christus geboren und 40 nach Christus gestorben ist, erwähnt Jesus  nicht nur deshalb nicht, weil er kein Historiker war, sondern auch deshalb, weil er es einfach nicht geschafft hat, die Bewegung um Jesus gut kennen zu lernen, und er überdies zu einem Zeitpunkt gestorben ist, als der Hass, der Jesus von seinen eigenen, noch lebenden Landsleuten entgegengebracht wurde, immer noch schwelte und auch die Führer seiner Nation, die Jesus getötet hatten, noch am Leben waren.

Man könnte hinzufügen, dass die damaligen Kommunikations- und Verkehrsmittel weder die Mittel der heutigen Informationsgesellschaft noch die Mittel aus der Zeit der Dampfmaschinen waren. Die Verbreitung einer Nachricht von einer Provinz zur anderen dauerte Monate, geschweige denn, dass ein entfernter Beobachter ihre Authentizität hätte überprüfen können.

Und was diese heidnischen Schriftsteller betrifft, die sich unter dem direkten Einfluss des Götzendienstes befanden, von dem sie sich nicht befreien konnten, ihnen war die Dummheit der evangelischen Predigt nur verächtlich. Dagegen gab es unzweifelhaft auch viele Intellektuelle jener Epoche, die sich mit dem Christentum und den Erzählungen über seinen Gründer mit der notwendigen Sorgfalt beschäftigten. Diese Schriftsteller, die entweder aus dem Judentum kamen oder Heiden waren, wurden von der übernatürlichen Schönheit Jesu Christi überwältigt und wurden Christen. So Justinus der Philosoph und Märtyrer, Kordatos, Aristides, Miltiades, Meliton, Athenagoras und andere, deren Zeugnisse über Christus zu denen, die der heidnischen Welt entstammen, hinzugezählt werden können.

Und diese Zeugnisse sind deswegen noch bedeutender, da sie sich auch in Apologien befinden, die an die Kaiser gerichtet waren, wodurch sie gewissermaßen die Form einer Herausforderung an die heidnische Welt gewannen. De la Boullaye („Jesus et l’ histoire»[1], Conference II, Paris 1929, S. 7) meint zu Recht, dass diese Schriftsteller mutig gewesen sein müssen, da sie die schwankenden Mythen des Heidentums gnadenlos verspotteten und die christlichen Geschehnisse als Ereignisse vorstellten, die nicht im Geheimen, sondern in aller Öffentlichkeit geschahen, ohne ihre Kontrolle im vollen Licht des Tages fürchten zu müssen. Diese Apologien hebt de la Boullaye zu Recht auch deswegen hervor, weil diese Zeugnisse von verschiedenen Orten der auf der ganzen (antiken) Welt verbreiteten Kirche stammen, nämlich von Syrien, Griechenland, Alexandria, Rom,  und daher nicht nur  ein persönliches Zeugnis der Schriftsteller darstellen, sondern das gemeinsame Zeugnis der Kirchen vertreten, da sie von den Kirchen akzeptiert und gebilligt wurden als getreues Echo ihrer eigenen Überzeugungen.

Diese Ausführungen waren notwendig zum Verständnis des Stillschweigens der nicht-christlichen Schriftsteller; wir wollen uns nun im Einzelnen den uns erhalten gebliebenen Zeugnissen zuwenden.

Nichtchristliche Quellen der ersten zwei Jahrhunderte, die die Existenz Jesu Christi beweisen

1.  Flavius Josephus
2.  Pontius Pilatus
3.  Thallus
4.  Mara Bar Serapion
5.  Tacitus
6.  Sueton
7.  Plinius der Jüngere
8.  Numenios
9.  Phlegon
10. Galenos
11. Lukian
12. Celsus
13. Zeugnisse von Häretikern
14. Talmud

1. Josephus

Betrachten wir zunächst das Zeugnis von Josephus, welches das älteste Zeugnis über Jesus ist, das von nicht-christlichen Schriftstellern vorliegt. Josephus wurde 37 n. Chr. geboren und ist zwischen 94 und 100 gestorben. Die erste und umfangreichste Erwähnung, das sogenannte Testimonium Flavianum (Zeugnis von Flavius Zeugnis, abgekürzt TF), gilt denen, die seine Bedeutung verschleiern möchten, als zweifelhaft. Wir wollen im Folgenden darlegen, warum wir es für glaubwürdig halten.

Dieses Zeugnis ist eine Stelle, wo Josephus den Glauben der ersten Kirche Jerusalems an Jesus ausführlich erwähnt. Man bekommt den Eindruck, dass dieses Zeugnis nicht von einem Juden, der nicht geglaubt hat, sondern eher von einem Christen stammt, der den Gekreuzigten als Christus und Retter anerkennt. Genau deshalb wurde in den letzten Jahrhunderten die Echtheit dieser Stelle bezweifelt. Diese Stelle ist jedoch in allen erhaltenen Handschriften von Josephus, den „Antiquitates Judaicae»[2], enthalten, dennoch behaupteten viele, dass sie eine Einfügung von christlicher Hand sei.

Doch ist die Behauptung, dass der gesamte Abschnitt in Josephus Text von fremder Hand eingefügt wurde, eine unbegründete Hypothese. Denn es ist nicht erklärlich, wie alle Handschriften gefälscht werden konnten, ohne dass auch nur eine einzige übrig blieb, die von der begangenen Fälschung zeugen würde (vgl. L. de Grandmaison, „Jesus-Christ», in: A.d’Ales, Dictionnaire Apologetique, 4. Aufl. 1924, Bd. ΙΙ, Zeile 1296, Fußnote). Zusätzlich erwähnt Josephus an anderen Stellen seiner «Altertümer» (XVIII 5, 2; XX 9, 1) den Tod von Johannes dem Täufer und die Verurteilung von Jakob, dem Bruder des «Jesus, der Christus genannt wird». Die Echtheit dieser Stellen könnte nur eine jedes Maß übersteigende Willkür bezweifeln. Es macht also keinen Sinn, dass einer, der  Johannes, Jakob und Jesus, den sogenannten Christus, erwähnt, andererseits vollkommen stillschweigen und Jesus mit keinem Wort erwähnen sollte.

Andererseits spricht gegen die Echtheit dieses Zeugnisses, dass der darin enthaltene Satz «dieser ist der Christus» («ο Χριστός ούτος ην») den Glauben Josephus an Jesus als Messias andeutet, was von Origenes nicht akzeptiert wird («Κατά Κέλσου»[3] Ι, 47 und über Matthäus Χ, 17), denn er bestätigt ausdrücklich, dass Josephus nicht geglaubt hat. Dagegen spricht auch, dass dieses Zeugnis bei keinem der christlichen Schriftsteller vorkommt, weder bei Justinus, noch bei Tertullian, noch bei Clemens von Alexandrien, noch bei Origenes, wo doch seine Bedeutung als Beweis unschätzbar ist. Der erste, der es erwähnt, ist Eusebios  („Historia Ecclesiastica»[4] Ι, 11).

Gegen die Bemerkung, dass dieses Zeugnis in allen uns erhalten gebliebenen Handschriften des Josephus auftaucht, könnte man einwenden, dass keine von ihnen besonders alt ist und dass sich der bestimmte Abschnitt nicht in allen Handschriften an derselben Stelle befindet. Zudem stand Josephus politisch auf Roms Seite und vermied deswegen jede Anspielung auf Israels messianische Hoffnungen, wodurch nationale Ideale gegen das Weltreich Rom geweckt worden wären, und das erklärt völlig, warum Josephus der Person Christi gegenüber Schweigen bewahrt hätte. (Über dieses Schweigen siehe Pierre Batiffol, «Le silence de Josephe»[5] in: Orpheus et l’ Evangile, Paris 1910, S. 4-24. Die Gründe für und gegen die Echtheit dieser Stelle siehe bei Greg. Papamichail, «Ο Ιησούς ως ιστορικόν πρόσωπον»[6], 2. Aufl., Athen 1923, S. 137-143. Siehe auch die reichhaltige Bibliographie der Forschung über diese Stelle, ihre Echtheit und die Ansichten der  entsprechenden Schriftsteller, s. Hittinger, Apologetique, S. 410-411.) Die Mittelposition jedoch, nach der an dieser Stelle später ein paar kurze Sätze aus christlicher Hand eingefügt wurden, können wir aus internen Gründen nicht für unmöglich halten (G. M. Muller, «Christus in Flavius Josephus», 2. Aufl. 1895, S. 31-43).

Für die Echtheit dieser Stelle bei Josephus sprach sich F. C. Burkitt in einer Forschung mit dem Titel «Josephus and Christ» aus. (Veröffentlicht  in «Actes du IVe Congres international d’ Histoire des religions, tenu a Leide du 9 au 13 Septembre 1912», Leiden 1913.) A. Harnack übernahm Burkitts Auffassung und unterstützte sie geistreich («Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus und Jesus Christus», in: Internationale Monatsschrift VII, 1913 S. 1037 ff),  und ebenso W. Emery Barnes (in: «Contemporary Review», Januar 1914). Unter denjenigen, die die Echtheit der ganzen Stelle akzeptierten, zählen Hettinger und Godet (Conferences Apologetiques III, Les miracles, Seite 5). Auch Renan zweifelte nicht an der Echtheit des Abschnittes («Vie de Jesus»[7], S. X,  in der Einleitung).

Wir zitieren den Textabschnitt, wie er bei Josephus steht, wobei die Teile, die wahrscheinlich später hinzugefügt wurden, in eckigen Klammern stehen. An den Stellen in Fettdruck zweifelt kein ernsthafter Forscher.

«Γίγνεται δε κατά τούτον τον χρόνον Ιησούς, σοφός ανήρ [ει γε άνδρα  αυτόν λέγειν χρη. Ήν γαρ παραδόξων έργων ποιητής, διδάσκαλος ανθρώπων των ηδονή ταληθή  δεχομένων]. Και πολλούς μεν Ιουδαίους, πολλούς δε και από τού Ελληνικού επηγάγετο. [Ο Χριστός ούτος ην.] Και αυτόν, ενδείξει των πρώτων ανδρών παρ’ ημίν σταυρώ επιτετμηκότος Πιλάτου, ουκ επαύσατο οι το πρώτον αυτόν αγαπήσαντες. [εφάνη γαρ αυτοίς τρίτην έχων ημέραν πάλιν ζων, των θείων προφητών ταυτά τε και άλλα μύρια θαυμάσια περί αυτού ειρηκότων.] εισέτι τε νυν τών Χριστιανών από τούδε ωνομασμένων ουκ επέλιπε το φύλον» (Ιουδαϊκές Αρχαιότητες XVIII 3, 3).

Die sinngemäße Übersetzung  der nicht umstrittenen Stellen lautet:

Damals gab es einen weisen Mann, Jesus. Und viele Juden und viele aus anderen Völkern sind ihm gefolgt. Pilatos hat ihn auf Vorschlag von unseren Männern, die an der Macht waren, zum Kreuzestod verurteilt. Aber diejenigen, die ihn von Anfang an geliebt haben, sind nicht stehen geblieben. Seitdem ist die Generation derer, die Christen genannt wurden, weiter gewachsen«.

Dasselbe Zeugnis von Josephus befindet sich in: «Kitab al – ‘Unwan»[8], Geschichte der Welt seit der Schöpfung bis zum Jahr 941/942 n.Chr., von dem Agapius, arabischer Christ und Bischof von Hierapolis im 10. Jh., eine Abschrift machte. Es handelt sich dabei um einen gemäßigten Text:

«Damals gab es einen Weisen, Jesus genannt. Und sein Verhalten war gut und er war bekannt als ein tugendhafter Mensch. Und viele Juden und viele aus anderen Völkern wurden seine Schüler. Pilatos hat ihn zum Tod am Kreuz verurteilt. Diejenigen, die seine Schüler wurden, haben seine Lehre nicht aufgegeben. Sie haben erzählt, dass er ihnen nach seiner Kreuzigung erschienen hat und dass er am Leben war. Er könnte also der Messias gewesen sein, über den die Propheten Wunder verkündet haben».

Wir fassen die Argumente zusammen:

a) TF befindet sich in jeder erhaltenen Handschrift der «Antiquitates Judaicae»[9], ebenso im «Codex Ambrosianus» (11. Jh.), im «Codex Vaticanus» (14. Jh.) und im «Codex Markianus» (15. Jh.). Sollte das gesamte Zeugnis gefälscht sein, dann müsste man annehmen, dass ausnahmslos ALLE alten Handschriften von Josephus (in denen angeblich Christus ursprünglich nicht erwähnt wurde) in den Händen von Christen und gar in Händen von LÜGNERN gewesen waren, die sie abgeschrieben und das Zeugnis hinzugefügt hätten.

b) TF wird zuerst von Eusebios erwähnt («Historia Ecclesiastica»[10] 1.11; Demonstratio Evangelicum 3.5). Es wird auch von Sozomenos («Historia Ecclesiastica» 1.1), von Nikephoros («Historia Ecclesiastica» 1.39), vom Hl. Hieronymus («De Viris Illustribus» 13, Catal. Script. Eccles. 8), vom Hl. Isidorus dem Pilousiotis (Brief 6.225), vom Hl. Ambrosius, von Cassiodor und anderen erwähnt. Es scheint in der Zeit dieser viel schreibenden Schriftsteller KEINEN Zweifel an der Echtheit dieser Stelle gegeben zu haben.

c) Etlichen von uns aber stellt sich die Frage, warum die kirchlichen Schriftsteller vor Eusebios, wie Justinus, Origenes u.a. TF nicht erwähnen. Die Antwort ist einfach: KEIN Gegner des Christentums in den ersten Jahren der Kirche hat an der Historizität Christi gezweifelt, so dass die früheren Apologeten sie nicht zu unterstützen brauchten.

d) Viele jedoch, auch Christen, halten Eusebios Pamphili, Bischof von Caesarea, für keine besonders zuverlässige Quelle. Ihrer Meinung nach ist Eusebios in seiner «Historia Ecclesiastica[11]»  sicher, dass Christus und der König Abgar von Edessa «angeblichen» Briefwechsel führten, was sonst von niemandem erwähnt wird. Für sie ist es eindeutig,  dass Eusebios gern erfundene Texte verfasste, um die anderen von der Existenz  Christi zu überzeugen.

Aber die «Historia Ecclesiastica» von Eusebios ist KEINE Apologie, sondern die erste Kirchengeschichte, die geschrieben wurde. D.h., er versucht hier nicht, uns zu etwas zu überzeugen, sondern er stellte einfach so viele Informationen über die Kirche und natürlich über ihren Gründer Christus, zusammen, wie er finden konnte. Darunter eben auch die erschütternden Daten über den Briefwechsel Christi mit Abgar sowie mit dem Heiligen Mandilius (s. Aggelos P. Sakketos, «Ιησούς Χριστός, Ελληνισμός-Χριστιανισμός»[12], Seite 501-534 und 584-591).

e) Einige vertreten das alberne Argument, dass die Platzierung  von TF im Text unsicher sei, da sie bei Eusebios («Historia Ecclesiastica» 2.6) vor den Notizen von Josephus über Pontius Pilatus steht, während sie heute nach diesen Notizen kommt.

Allerdings ist das falsch. Denn Eusebios zitiert an der betreffenden Stelle nicht das TF, sondern eine Anmerkung von Josephus über Pontius Pilatus aus «De bello Judaico»[13].

f) Bei Eusebios heißt es, dass Josephus erst nach Johannes dem Täufer von Christus berichtet („Historia Ecclesiastica» 1.11), während er  im Text von „Antiquitates Judaicae» zuerst Christus (18.3.3) und dann Johannes den Täufer (18.5.2) erwähnt. Daraus ziehen  die Gegner der Historizität Jesu den Schluss, dass das TF von Christen gefälscht und in einigen Handschriften hinter den Abschnitt über Johannes gestellt wurde. Man sollte jedoch diese Erwähnung von Eusebios zum genaueren Verständnis auf altgriechisch lesen. Eusebios meint wahrscheinlich, dass Josephus AUSSER Johannes dem VORLÄUFER auch Christus erwähnt.

g) Manche meinen, dass Christus von Josephus im TF zu knapp erwähnt wird, da doch die Erwähnung von Johannes dem Täufer z.B. mehr als den doppelten Platz einnimmt. Dieses Argument hat aber kein Gewicht.  Professor Sanders schreibt über das TF als «das beste objektive Zeugnis der Bedeutung Jesu während seines Lebens. Die Evangelien vermitteln den Eindruck, dass das ganze Volk lebhaft an Jesus und den Ereignissen um ihn herum interessiert war. Sicherlich hat er Interesse geweckt. Falls man jedoch die generelle Wirkung der prophetischen Gestalten nach dem Grad der von ihnen gestifteten Unruhe misst, dann kommt man zu dem Schluss, dass Jesus in den Augen der meisten seiner Zeitgenossen weniger wichtig war als Johannes der Täufer.» (S. 50-51). Sowieso war Christus für die Mehrheit der Juden ein bedeutungsloser Verurteilter (wie z.B. die gewöhnlichen Diebe).

h) Ein christlicher Schriftsteller hätte über seinen Gott niemals einen kleineren Text geschrieben als über Seinen Wegbereiter Johannes, der nach seinen eigenen Worten nicht würdig war, Seine Sandalen aufzuknüpfen.

i) Viele glauben, dass der Satz «εισέτι τε νυν των Χριστιανών από τούδε ωνομασμένων ουκ επέλιπε το φύλον»[14], der sich am Ende des TF befindet, viel später als zur Zeit Jesu Christi geschrieben wurde, und zwar von Eusebios selbst. In Anbetracht dessen aber, dass die Anhänger  jedes «Pseudo-Messias» immer sehr schnell wieder verschwanden, wie auch Gamaliel ausdrücklich sagt (Apg.5,35-39), versteht man, dass es für die Juden ungewöhnlich war, dass der  Glaube an jemanden, der für einen «Pseudo-Messias» gehalten wurde, mehrere Jahrzehnte überlebt hätte. (Josephus hat die „Antiquitates Judaicae» um 93 n. Chr. geschrieben.)

j) Manche Kritiker glauben, dass das TF nicht zum Thema gehört. Das wollen wir  prüfen.  Kapitel 3, wo sich das Zeugnis befindet, beginnt mit dem Streit der Juden mit Pontius Pilatus (18.3.1), wird fortgesetzt mit der Unterschlagung von Kirchengeld durch Pontius Pilatus (18.3.2), mit der Verurteilung von Christus durch Pontius Pilatus (18.3.3), es folgt ein Skandal im Tempel der Isis in Rom (18.3.4) und endet mit einem anderen Skandal in Rom, der zum Exil der dort wohnenden Juden führte (18.3.5). Welcher Teil passt also nicht zum Thema? Doch wohl nicht der Abschnitt, der über Christus spricht!

k) Ein Atheist, der sich oft als «unlesbar» erwiesen hat, der Brite Steven Carr, versucht zu zeigen, dass man sich auch auf Agapius nicht verlassen kann, weil Agapius das TF aus dem Gedächtnis zitiere (wie Carr behauptet), und nicht als wirkliches Zitat. Aber wie kann man sicher sein, dass Agapius einen Text aus dem Gedächtnis schreibt, von dem angenommen wird, dass er von dem Christen Eusebios stammt? Und wenn das stimmen sollte, wie kommt es dann zu solch einem Zufall, dass  Agapius keinen einzigen der im TF umstrittenen Sätze zitiert? Wir wissen, dass die Araber außerordentlich gebildet waren und die antiken Werke intensiv gelesen und abgeschrieben haben. Das führt uns zu dem Schluss, dass die Araber sicherlich bereits die ersten Handschriften der  „Antiquitates Judaicae» zur Verfügung gehabt und abgeschrieben haben. Und so gelangte das TF bis zu Agapius.

l) Manche möchten vielleicht behaupten, dass es eigenartig ist, dass Josephus von der Verurteilung Christi durch den Römer Pilatus berichtet, ohne dabei den Pilatus zu rechtfertigen, und auf diese Weise die Römer bloßstellt.

Es ist aber nicht das erste Mal, dass Josephus die schlimmen Taten von Pilatus und anderen Römern offenlegt. Zum Beispiel wird in demselben Kapitel, in dem sich das TF befindet, ebenso wie in den folgenden (nämlich in den Kapiteln 3 und 4 des 18. Buches) viel Negatives über Pontius Pilatus berichtet, von Blutbädern u.a. Die Erwähnung der Verurteilung Christi gehört dazu.

m) Manche haben folgendes Argument: Auch wenn das Zeugnis von Josephus authentisch ist, so ist es doch weit nach Christus geschrieben und daher unzuverlässig. Das ist freilich  nicht logisch. Wenn die Dinge so lägen, dann müsste ein riesengroßer Teil der antiken Geschichte verworfen werden, da nicht ALLE großen Historiker Augenzeugen ALLER Ereignisse waren! Zum Beispiel, wie Harris erwähnt, kommen die besten erhaltenen Erwähnungen über Kaiser Tiberius (14-37 n.Chr.) von Historikern, die ziemlich viel später gelebt haben, von Tacitus (etwa 115 n.Chr.), Sueton (etwa 120 n.Chr.) und Dion Cassius (230 n.Chr). Die Epoche, zu der Josephus die „Antiquitates Judaicae» geschrieben hat, ist also kein Beweis für seine Glaubwürdigkeit.

Im Zusammenhang mit zwei weiteren Stellen in den „Antiquitates Judaicae» beweist Josephus also nicht nur die Historizität Jesu Christi, sondern weitere zentrale Stellen der evangelischen Geschichte, die Historizität nämlich von Johannes «den Täufer genannten» und seinen Märtyrertod durch Herodes, wie auch die historische Existenz  von Jakob dem Bruder Christi, den die Geschichte der ersten christlichen Kirche für einen ihrer wichtigsten Unterstützer hält. Aber selbst wenn man die bestimmte Stelle von Josephus über Jesus Christus gar nicht berücksichtigen wollte, so würden schon allein die Stellen über Johannes und Jakob als indirekte Erwähnung Christi und seiner messianischen Ansprüche  reichen.

(Einige Daten der obigen Darstellung sind auch entnommen aus P.Ν.Trebela „Απολογητικές Μελέτες»[15],   Bd. 5, S. 23-37, Athen, 4. Aufl. 1973).


2.   Das Zeugnis von Pontius Pilatus

Justinus und Tertullian bestätigen, dass es in Roms Archiven zwei offizielle Berichte von Pontius Pilatus an Kaiser Tiberius über die Verurteilung und die Kreuzigung Jesu Christi  gab, die heute anscheinend nicht mehr erhalten sind. Der heilige Märtyrer Justinus erwähnt zweifelsfrei zweimal die Berichte von Pilatus über Christus (1. Apologie 35 und 48), ebenso wie Tertullian (Apologeticum 5 und 21, 24). Die Erwähnungen zweier Väter, die so nah an den Ereignissen gelebt haben und sie in Zeiten der Verfolgung geschrieben haben, wobei sie sich an die Heiden wendeten, haben ein besonders Gewicht. Es scheint, dass die Schriften von Pilatus zu einem gewissen Zeitpunkt gefälscht wurden, so dass sie einen blasphemischen Inhalt bekamen, wenn wir Eusebios („Historia Ecclesiastica» 9.5.1) glauben wollen. Schließlich werden Pilatus Schriften auch vom heiligen Epiphanius erwähnt. („Αιρέσεις»[16], 50.1). Diese Schriften müssen jedoch von den Apokryphen mit dem Titel „Acta Pilati» und „Επιστολή Πιλάτου προς αυτοκράτορα Κλαύδιο»[17] unterschieden werden, die später erschienen und unter deren Pseudotiteln man einfach versucht hatte, die ursprünglichen Schriften wieder zu sammeln. (s. Brunet «Les evangiles apocryphes traduits et annotes», 2. Aufl., S.215-273. Tischendorf, „Evangelia apocrypha», 1853, S. 413-426. Thilo, „Codex apocryphus Novi Testamenti», Bd.1, S. 801-803).

Wir wissen, dass die Statthalter des Römischen Reichs oft Briefe über die Angelegenheiten ihrer Provinzen an den Kaiser geschrieben haben. Dasselbe tat auch Plinius der Jüngere, Statthalter von Bithynien, an Traian. Übrigens, ob es nur Zufall ist, dass weder Pilatus noch Tiberius die Christen verfolgt haben? Könnte das, was Pilatus gesehen und an Tiberius geschrieben hat, eine Rolle gespielt haben?


3.   Das Zeugnis von Thallus

Thallus, ein unter Kaiser Tiberius freigelassener Samariter, war ein heidnischer Historiker des Mittleren Ostens, der im 1. Jahrhundert n.Chr. gelebt hat.

Er hat um 52 n.Chr. die Geschichte Griechenlands und Asiens geschrieben. In diesem Werk erwähnt er auch eine Sonnenfinsternis. 221 n.Chr. hat ein christlicher Schriftsteller, Sextus Julius Africanus, geschrieben, dass «Thallus in seinem dritten Buch die Dunkelheit (nach der Kreuzigung Jesu) als eine Sonnenfinsternis erklärt.». Seine Werke sind zwar nicht erhalten geblieben, aber er wird von vielen genannt.

– Flavius Josephus (37-100 n.Chr.) erwähnt einen Thallus, einen reichen Freigelassenen des Kaisers, der Herodes Agrippa eine Million Drachmen geliehen hat („Antiquitates Judaicae» 18.6.4). Es ist freilich nicht sicher, ob dieser Thallus identisch mit dem Geschichtsschreiber ist. Viele meinen, dass in keiner Handschrift von Josephus THALLUS stand, sondern ALLUS. Das «TH» in ALLUS habe ein Gelehrter namens Hudson 1720 hinzugefügt mit der Erklärung: «Ich setze «Thallos» an die Stelle von  «Allus»  in der Mutmaßung, dass er derjenige ist, der sich unter den Freigelassenen des Tiberius befand, nach den Aufzeichnungen von Gruter.» (S. 810, übersetzt aus Hudson’s Latein). Hudson hat nämlich ALLUS durch THALLUS nicht zufällig ersetzt, sondern nach einer Quelle, die von der Freilassung des Thallus durch Tiberius sprach. Es scheint, als ob das «Argument» der Gegner der Kirche wie ein Bumerang zurückkommt!

–  Der heilige Märtyrer Justinus (100-165 n.Chr.) erwähnt, dass Thallus zusammen mit anderen wichtigen Schriftstellern wie Philon dem Juden und Josephus, die weit zurückliegende Historizität des Propheten Moses bezeugt („Λόγος Προτρεπτικός προς Έλληνας», 9 [18]).

–   Bischof Theophilus von Antiochien (er schrieb um 180 n.Chr.) erwähnt, dass Thallus über Belos, den König von Assyrien und über Kronos schreibt („Ad Autolycum» 3, 29).

–   Tertullian (160-220 n.Chr.) erwähnt, dass Thallus,  ebenso wie  Diodoros und andere, schreibt, dass Kronos nichts anderes als ein Mensch war („Απολογητικός», 10[19]). Weiter unten erwähnt er wieder Thallus zusammen mit anderen wie Apion, und deren Kritiker Josephus („Απολογητικός» 19).

–  Julius Africanus (er schrieb um 221 n.Chr.), Vater der christlichen Chronographie, erwähnt, dass Thallus über die Machtübernahme von Kyros geschrieben hat, so wie auch Diodoros, Polybios u.a. („Χρονικά» ΧΧΧ.2[20]). Er erwähnt ebenfalls, dass Thallus sich mit der Geschichte Syriens beschäftigt hat („Χρονικά» ΧΧΧ.3).

–   Minucius Felix (3. Jh.) erwähnt, dass Thallus, ebenso wie Diodoros und andere,  schreibt, dass Kronos ein Mensch war („Octavius» 22).

–   Lactantius (240-320), der «christliche Cicero», erwähnt, dass Thallus schreibt,  Belos, der König von Assyrien, habe 322 Jahre vor dem Trojanischen Krieg gelebt. („Divinae institutiones»24[21]).

Wozu die Erwähnung dieser Einzelheiten? Um zu zeigen, dass:

a) Thallus Zeitgenosse Jesu Christi war, da er in der Zeit von Justinus und Theophilus schon bekannt war (2. Jh.) und dass also Josephus höchstwahrscheinlich über ihn in den „Antiquitates Judaicae» und in (laut Tertullian) anderen Werken, die nicht erhalten sind, geschrieben hat.

b) er in der gleichen Gegend wie Christus gelebt hat, da Josephus das wohl erwähnt und da sich seine Werke mit dem Mittlereren Osten (Assyrien, Moses usw.) beschäftigen.

c) er ein bedeutender Historiker war, da er häufig und zusammen mit anderen bedeutenden Historikern wie Polybios, Diodoros dem Sizilianer, Philon dem Juden und Flavius Josephus erwähnt wird. Er muss also ein zuverlässiger und bekannter Geschichtsschreiber gewesen sein.

Was nun das erhalten gebliebene Zeugnis von Iulius Africanus (221 n.Chr.) betrifft:

«…Auf der ganzen Welt herrschte eine furchtbare Dunkelheit und Steine fielen wegen des Erdbebens und viele Orte in Judäa und in anderen Provinzen wurden zerstört. Thallus erklärt diese Dunkelheit im dritten Buch seiner Geschichte mit einer Sonnenfinsternis,  was ich für unmöglich halte. Da die Juden Ostern am 14. Tag gemäß dem Mondkalender feiern, und die Kreuzigung unseres Retters auf den Tag vor Ostern fällt, und eine Sonnenfinsternis nur eintritt, wenn der Mond unter der Sonne ist…» („Χρονικά» XVIII, 1).

Machen wir ein paar Bemerkungen zu dem obigen Auszug:

1) Africanus macht die obige Angabe, um Thallus zu widerlegen. Es wäre sinnlos anzunehmen, dass er einen erfundenen Text geschrieben hätte, einzig und allein  um Thallus zu widerlegen.

2) Iulius Africanus nennt uns auch eine Literaturangabe! Er schreibt, dass sich das Zeugnis von Thallus in seinem dritten Buch befindet, zu einer Zeit, in der Thallus ein bekannter Schriftsteller war und wo es leicht gewesen wäre, die Wahrheit zu kontrollieren. Man darf nicht vergessen, dass es nach Africanus  noch spätere Hinweise  auf das Werk von Thallus gibt (M. Felix, Lactantius). So nennt Lactantius aus dem Thallus eine Einzelheit über Belus, die von keinem der Früheren erwähnt worden ist.

3) Die Aussage «diese Dunkelheit» zeigt, dass Thallus diese BESTIMMTE Dunkelheit zu erklären versuchte, die während des Todes Christi geschah. Im nächsten Satz betont Iulius Africanus noch deutlicher, wann diese bezweifelte Dunkelheit geschah.

4.  Mara Bar Serapion Zeugnis

Mara Bar Serapion war ein syrischer Stoiker, der einen Brief an seinen Sohn aus dem Gefängnis schrieb, wo er sich befand. Diesen Brief besitzt das Britische Museum und er wird nach 73 n.Chr., vielleicht auch nach 135 n.Chr. datiert, jedenfalls wohl nicht nach 165 n.Chr. NIEMAND hat bisher an der Originalität dieses Zeugnisses gezweifelt und deshalb versuchen die der Geschichte unkundigen Kritiker der Historizität unseres Herrn uns davon zu überzeugen, dass dieses Zeugnis nicht auf Christus verweist, oder dass es nicht authentisch ist. Im Folgenden werden wir diese Argumente entkräften.

Das Zeugnis lautet:

«Was können wir noch sagen, wenn die Weisen von den Tyrannen misshandelt werden … so dass sie sich nicht verteidigen können? Welchen Vorteil hatten die Athener davon, dass sie Sokrates zum Tode verurteilten? Hunger und Seuche kamen über sie als Strafe für ihr Verbrechen. Welchen Vorteil hatten die Männer von Samos davon, dass sie Pythagoras verbrannten? In einem Moment wurde ihr Land von Sand zugedeckt. Was hatten die Juden davon, dass sie ihren weisen König umbrachten? Bald danach ging ihr Königreich unter. Gott rächte den Tod dieser drei Weisen: die Athener verhungerten; die Bewohner von Samos verschlang das Meer und die Juden wurden aus ihrem Land vertrieben, nachdem es zerstört worden war, und leben vollständig verstreut. Doch Sokrates starb nicht umsonst. Er lebt fort in den Lehren des Plato; auch Pythagoras starb nicht umsonst, er lebt fort in der Statue der Hera. Und auch der weise König starb nicht umsonst; er lebt weiter in der Lehre, die er verkündet hat».

a) Wir halten fest, dass dieser «König» der Juden
1. ein König war
2. so weise war, dass er mit Sokrates und Pythagoras verglichen wurde
3. umgebracht wurde
4. von den Juden umgebracht wurde
5. kurz vor der Zerstörung des Staates der Juden umgebracht wurde (70 n.Chr.)
6. kurz vor der Zerstreuung der Juden umgebracht wurde (70 n.Chr.).
7. durch seine Lehre lebendig war (auch noch in der Zeit von Mara Bar Serapion)

Wer anders hätte das denn sein können als Jesus Christus? Viele behaupten, es beziehe  auf irgendeinen Pseudomessias, einen von denen, die  Gamaliel erwähnt:  «Vor einiger Zeit trat Theudas auf und behauptete, er sei etwas Besonderes. Ihm schlossen sich etwa vierhundert Männer an. Aber er wurde getötet und sein ganzer Anhang wurde zerstreut und aufgerieben. Nach ihm trat in den Tagen der Volkszählung Judas der Galiläer auf; er brachte viel Volk hinter sich und verleitete es zum Aufruhr. Auch er kam um und alle seine Anhänger wurden zerstreut.» (Apg. 5, 36-37).  Theudas und Judas erfüllen sicher nicht das Kriterium 7, und auch nicht 2 und 4.

Manche halten ihn für den Essener «Lehrer der Gerechtigkeit». Doch ist die wahre Identität dieses «Lehrers der Gerechtigkeit», der in der Qumranschrift „An Habakuk-Pescher» (1QpHab) erwähnt wird, unsicher. Man glaubt, dass er der Hohepriester Onias III. (bis 190 v.Chr.) war oder Judas der Essener (der in der Zeit von Johannes Hyrkanos, König von Judäa 134-104 v. Chr., lebte). Sie werden nirgends als Könige erwähnt, ebenso wenig wie  ihr Tod. Jedenfalls sind sie nicht kurz vor 70 n.Chr. gestorben. Und ihre Lehre hat wohl kaum bis zur Epoche von Mara Bar Serapion überlebt.

b) Ein weiteres Argument gegen Mara: Pythagoras (etwa 570-475 v.Chr.) und Sokrates (etwa 470-399 v.Chr.) waren nicht gerade Zeitgenossen, und Christus befindet sich sehr weit weg von ihnen. Die gleichzeitige Erwähnung von Sokrates, Pythagoras und Christus ist chronologisch nicht weniger «unpassend» wie die gleichzeitige Erwähnung von Newton, Einstein und Hawking!

c) Laut Mara haben die Bewohner von Samos Pythagoras verbrannt. In Wirklichkeit aber hat Pythagoras etwa um 530 v. Chr. Samos verlassen und ist nach Kroton in Süditalien  ausgewandert. Er ist in Metapont gestorben. Die Bewohner von Samos können Pythagoras also nicht verbrannt haben. Und weder sind uns die Strafen, die die Athener oder die Bewohner von Samos erlitten haben sollen, bekannt, noch die Statue der Hera. Wenn also, nach den Kritikern, in Maras Brief eine falsche Einzelheit wie diese stand, wie kann er dann als überzeugender Beweis für die historische Glaubwürdigkeit von wem auch immer gelten?

Freilich, FALLS es einige «Fehler» im Brief gibt, bedeutet das nicht, dass alles, was er schreibt,  «falsch» ist. Man darf nicht vergessen, dass Pythagoras und Sokrates sechs, sieben Jahrhunderte vor dem Schriftsteller gelebt haben, und Christus maximal ein Jahrhundert zuvor. Trotzdem ist nicht sicher, dass Mara einen großen Fehler gemacht hat. Pythagoras wurde von seinen Landleuten gequält, so dass er die Insel verlassen hat. Die Intoleranz vieler alter Griechen gegen die Philosophen macht so etwas sehr wahrscheinlich. Was die Statue der Hera betrifft, so könnte sie von Pythagoras gemacht oder von ihm in Auftrag gegeben worden sein oder es könnte sich um den  Treffpunkt der Schüler von Pythagoras gehandelt haben.. Und Samos wurde vielleicht von einem Gewitter betroffen, das große Staubmengen mit sich brachte. In Athen kann nach Sokrates Tod eine Seuche aufgetreten sein, die nicht erschreckende Ausmaße zu haben brauchte.

d) Die Feinde Christi bringen, machtlos, das Argument vor, dass Maras Zeugnis nicht zuverlässig sei wegen der Zeit der Niederschrift. Sie behaupten, dass Mara alles, was er über Christus wusste, von Christen gehört habe. Mara war wahrscheinlich Augenzeuge Christi, aber auch wenn nicht, spielt das  keine Rolle. Werden nur die Augenzeugen aller Geschehnisse zuverlässige Geschichtsschreiber? Die Tatsache, dass Mara die Werke und die Lehren von Sokrates, Pythagoras und Christus geschätzt hat, zeigt, dass er hochgebildet war und Kritikfähigkeit besaß. Man kann also nicht annehmen, dass er so dumm war, einfach alles Gehörte zu glauben. Und die Tatsache, dass er Christus einen König nennt, zeigt nicht unbedingt den Einfluss von Christen. Vergessen wir nicht, dass Jesus Christus vom Gottesmörder Pilatus in der Aufschrift am Kreuz als König bezeichnet wurde.

5.   Tacitus

Das Werk von Tacitus wurde zwischen 115 und 117 n.Chr. veröffentlicht und hat die Ereignisse während der Herrschaft der Kaiser Tiberius, Caligulas, Claudius und Neros zum Inhalt. Tacitus Zeugnis über Christus ist kurz und knapp. Er spricht über den Brand von Rom und die Christenverfolgung, die Nero deswegen befohlen hat. Es ist also die Rede  von einem Geschehen, das nur 30 Jahre nach dem Tod Jesu stattfand. Bei Tacitus heißt es: «Die öffentliche Meinung beschuldigt Nero als Urheber des Brandes. Um diese Gerüchte zum Schweigen zu bringen, hat Nero auf andere Täter hingewiesen, und er  hat nach viel Überlegung Strafen ohnegleichen über diejenigen verhängt, die wegen abscheulicher und geheimer Werke gehasst und gemeinhin Christen genannt wurden. Urheber dieses Namens war Christus, der in der Zeit des Kaisers Tiberius und des Prätoren Pontius Pilatus verurteilt wurde. Am Anfang wurde dieser furchtbare Aberglaube erstickt, dann aber überflutete er  nicht nur Judäa, sondern auch die Stadt (Rom). Man begann also zunächst diejenigen, die sich als Christen bekannten, gefangen zu nehmen. Dann wurde auf ihren Hinweis eine riesengroße Menge Menschen verhaftet.» (Tacit. Annal. XV, 38,44).

Tacitus informiert uns also einerseits über das Jahr, in dem Jesus starb und bestätigt damit die evangelische Geschichte, andererseits bezeugt er die rasche Verbreitung und Macht des neuen Glaubens.

6. Sueton

Sueton, Tacitus’ Zeitgenosse, hat zwischen 110 und 120 sein Werk über die 12 Kaiser geschrieben (von Augustus bis Domitian). Er erwähnt, dass unter den Juden ein großer Tumult wegen Christus herrschte und Kaiser Claudius sie deswegen aus Rom verbannt habe. Das ist im Jahr 54 geschehen, erst zwanzig Jahre nach der Tragödie vom Kalvarienberg (Vita Claud. C. XXV 4, «Judaeos impulsore Chresto assidue tumultuantes Romae expulsit»). An anderer Stelle erwähnt Sueton, dass die Christen von Nero wegen ihres schlimmen Aberglaubens verbannt wurden («Christiani genus hominum superstitionis novae et maleficae», Vita Neron. XVI 2).

Die Tatsache, dass Sueton hier mit dem Namen Chrestus Jesus Christus meint, steht außer Frage. Falls es um eine dem Schriftsteller unbekannte Person gegangen wäre, hätte bei dem Namen ein indefiniter Zusatz stehen müssen  (Chresto quodam, Χριστού τινός[22]). Die Unterlassung des Indefinitpronomens beweist, dass Christus sowohl für Sueton als auch für seine Zeitgenossen eine wohlbekannte Persönlichkeit war. Da aber der Name Christus den Heiden damals unverständlich war, hat Sueton den gewöhnlicheren und naheliegenderen Namen Chrestus oder Chrestos gebraucht.


7. Plinius

Zweifellos sehr wichtig ist ein Brief, den Plinius der Jüngere, Statthalter der Provinz Bithynien und Zeitgenosse von Tacitus und Sueton, an Trajan gerichtet hat (Ρlin. Epist. X, XCVI). Hierin werden wir informiert über den Fortschritt und die Erweiterung des neuen Glaubens in Bithynien, etwa 70 Jahre nach Jesu Tod. Bei seinem Versuch konkrete Informationen über die Christen zu sammeln, hat Plinius konsequente Forschungen und Untersuchungen durchgeführt und die Ergebnisse in einem Brief an Kaiser Trajan vorgelegt. In diesem Brief wurde der Kaiser darüber informiert, dass es nichts Strafbares bei den Angehörigen des neuen Glaubens gab. Sie versammelten sich einfach an einem bestimmten Tag vor Sonnenaufgang und preisten Christus als Gott. Niemand könne sie jedoch eines Verbrechens beschuldigen, oder irgendeiner schändlichen Tat oder Betrugs oder Vertragsbruchs und Vernachlässigung einer übernommenen Pflicht. Was den römischen Staathalter hauptsächlich dazu veranlasst hat, die Sache zu untersuchen, war die immense Zahl der Anhänger dieses Aberglaubens. «Es gibt keine Stadt, so Plinius, kein Dorf und keinen Flecken, wo sich diese Verunreinigung nicht verbreitet hätte. Die Tempel unserer Götter haben sich entleert und schon seit langem werden hier keine Opfer mehr dargebracht».


8. Schriftsteller des 2. Jahrhunderts

Wir sollten schließlich auch nicht die Zeugnisse der heidnischen Schriftsteller des 2. Jahrhunderts vernachlässigen, in denen Jesus kritisiert wurde. Da wären der Neopythagoreer Numenios (erste Hälfte des 2. Jhs.), Phlegon, ein unter Kaiser Hadrian Freigelassener und Zeitgenosse von Numenios, der Eklektiker Galenos (zweite Hälfte des 2. Jh.), sowie Lukian und Celsus zu nennen. Sie verspotten Jesus und einige äußern sich mit Ironie und Sarkasmus. Keiner von ihnen aber denkt auch nur daran, an seiner Existenz zu zweifeln.

Lukian zum Beispiel in seinem Werk „De morte Peregrini»[23] spielt auf Jesus an und spricht über ihn als eine sehr bekannte Person, wenn auch seit langer Zeit verstorben, und nennt ihn «gekreuzigter Sophist», «in Palästina gekreuzigter Mensch», «großer Gesetzgeber der Christen».
Der Philosoph Celsus, Eklektiker und Platoniker, scheint in seinem Werk „Aληθής λόγος»[24] (es ist nicht erhalten, aber durch die Widerlegung von Origenes  in seinen Grundzügen rekonstruierbar) die derben jüdischen Mythenbildungen gegen Jesus zu glauben und versucht die Wunder Jesu zu verspotten und zu verhöhnen,  zeigt aber in keiner Weise eine Tendenz, die historische Existenz Jesu leugnen (Origenes, „Κατά Κέλσου ΙΙ, 10″[25]).

9. Zeugnisse von Häretikern

Zusammen mit den Zeugnissen der heidnischen Welt über Jesus erwähnt De la Boullaye („Jesus et l’histoire»[26], Conference II, Paris 1929, S.8) auch die Zeugnisse der Häretiker der ersten Jahrhunderte. Ihre Zeugnisse werden zu Recht als außerkirchlich charakterisiert, auch deshalb sollten wir sie nicht übergehen. Diese Menschen, die so autonom waren, dass sie sich von der Kirche entfernten, die so originell waren, eine neue Theologie zu entwerfen und eine ganze Reihe von Schülern an sich zu ziehen, und die sich so nahe den Anfängen des Christentums befanden, dass es ihnen möglich war, wenigstens die Hauptlinien des Lebens Jesu Christi zu prüfen, sie können als Zeugen seiner historischen Existenz nicht außer acht gelassen werden. Einige von ihnen haben die Wahrheit der Menschwerdung Christi abgelehnt.  

Basilides predigte 120-140 n.Chr. in Alexandrien, dass der Leib Christi einfach ein Scheinleib war und es nur so geschienen habe als sei Christus ein Mensch (dasselbe predigten auch Valentinus und Marcion). Der Tod Jesu Christi sowie seine Auferstehung seien daher den Menschen nur so erschienen. Diese Häretiker, so Hippolytus, lehnten die Schilderungen der Evangelien nicht ab, was den Retter betrifft. Sie leugneten nicht, dass Jesus für eine bestimmte Zeitspanne unter den Menschen aufgetaucht war und den in den Evangelien dargestellten Lebensweg hatte, sie behaupteten aber, dies sei den Menschen nur so erschienen. Valentinus einerseits akzeptierte um 135-160 n. Chr. den historischen Wert der Evangelien, Marcion andererseits, der 85 n. Chr. geboren wurde und 140 mit der Kirche Roms brach, fälschte und reduzierte die Bibel, gab aber das Leiden und die Wiederauferstehung Jesu sowie die Lehre von der Rettung und die Erlösung durch das Kreuz nicht auf. Die Zeugnisse dieser Menschen können also, was die Existenz Christi betrifft,  nicht als ungültig beiseite gelassen werden. Denn was könnte Menschen, die die Autorität der Kirche verweigerten und ihre eigene Denkweise konstruierten, schließlich daran hindern, vollkommen die Existenz Christi zu leugnen, wenn sie diese nicht auf einem vollkommen unerschütterlichen Fundament ruhend vorgefunden hätten?


10. Rabbinische Literatur

Zeugnisse über Christus gibt es auch in der rabbinischen Literatur und zwar im Talmud. Die Zeugnisse der Altrabbinischen Literatur, die mit Christus zu tun haben, finden sich anfangs bei Heinrich Laible („Jesus Chrestus im Talmud», Berlin 1891) gesammelt, und wurden später in der ausgezeichneten Ausgabe von Travers Herford („Christianity in Talmud and Midrash», London 1903) wieder veröffentlicht. Danach hat Arnold Meyer im „Handbuch zu den  Apokryphen des N.T.» (E. Hennecke, Tübingen 1904, S.51) in seiner Arbeit „Jesus im Talmud» die Jesus Christus im Talmud betreffenden Ereignisse   gesammelt.

Der Talmud ist ein umfangreiches Sammelwerk, dessen Einzelteile nacheinander ab der Epoche, in welcher der Herr auf Erden lebte bis zum Ende des 5. Jahrhunderts auf Aramäisch geschrieben wurden. Er besteht aus zwei Teilen: aus der Mischna (hebräisch: משנה = Lehre durch die) Wiederholung (der Gesetze von Moses), die 220 vollendet wurde, und der Gemara (aramäisch: גמרא = Lehre, Wissenschaft), eine Art Kommentar zur Mischna.

Im Talmud sind wunderbare Heilungen erwähnt, die von einem Christen Jakob im Namen Christi bewirkt wurden, und den der Rabbiner Elieser in Sepphoris in Galiläa getroffen hat. Es wird uns auch von einem Ereignis über den Neffen eines Rabbiners berichtet, den eine Schlange gebissen hatte und dem ein Christ den Rat gab, den Namen Christi anzurufen, damit er geheilt würde. Ebenfalls lesen wir von einem Richter, offensichtlich einem Christen, der Beamten der  Römer war, der dem Rabbiner Gamaliel II., als er sich um den väterlichen Erbteil seiner Schwester Sorgen machte, ein Zitat von Matthäus andeutete, wo Christus sagt: «ουκ ήλθε καταλύσαι τόν νόμον, αλλά πληρώσαι[27]» (Mt. 5,17; Greg. Papamichail, „Ο Ιησούς ως ιστορικόν πρόσωπον»[28],  2. Aufl., Athen 1923, S. 153-154).

Diese Erwähnungen im Talmud sind von recht großer Bedeutung, denn sie alle stammen vom Ende des ersten und dem Anfang des zweiten Jahrhunderts. Der Rabbiner Elieser der ersten Erwähnung ist der Schwager des Rabbiners Gamaliel II. der dritten Erwähnung und also auch sein Zeitgenosse. Gamaliel II. ist der Enkel von Gamaliels I., der 70 n. Chr. verurteilt wurde, weil er an der Revolution teilgenommen hatte. Diese Textstellen stammen nämlich aus der Zeit zwischen 90 und 110 n. Chr. Die zweite Erwähnung fällt  etwa ins Jahr 130 n.Chr. Die Rabbiner also, die am Ende des ersten Jahrhunderts bekannt waren, kannten die Person Jesus Christus und manche von ihnen schätzten ihn.

Es gibt aber auch die gegen Jesus Christus feindlich gesonnene jüdische Tradition (s. Hettinger, „Apologie des Christentums», S. 413-415), die später aufkam, und in der durch verleumderische Andeutungen und Wertungen versucht wurde, Jesus Christus zu beschimpfen und verächtlich zu machen. Laut dieser Überlieferung wurde Jesus Christus nicht in legaler Ehe geboren, sondern aus Prostitution, wie die Älteren des jüdischen Volkes in „Acta Pilati» erzählen (s. Justinus Apolog. I., XXXV und Thilo, Codex apocryph. Nov. Testam., Band Ι, S. 526). In Gemara (Gemara Sanhedrin) und in Sohabbath von Babylonien  wird auch der Name des Vaters von Jesus erwähnt, der irgendein Soldat namens Panthiras gewesen sein sollte. Dieser Name könnte aus einer Entstellung des griechischen Wortes Parthenos (=jungfräulich, unberührt) stammen. Im Talmud ist auch der Name der Mutter Jesu genannt. Mal wird sie Stada genannt, mal Miriam und sie soll Friseurin von Beruf gewesen sein. Hier liegt höchstwahrscheinlich die Verwechslung vor zwischen den Personen Maria, der Mutter Jesu, und Maria Magdalene sowie das Missverständnis des Wortes Magdalaah (= Magdalene, die aus Magdala stammt) als  Synonym für das Wort Megadelah (= Friseurin; s. Herford in P. L. Couchoud, „Le mystere de Jesus», Paris 1924).

Gemara erwähnt das Gespräch des zwölfjährigen Jesu im Heiligtum, verdreht es aber, indem es als unehrerbietiges Verhalten gegenüber den Älteren dargestellt wird (Massechethgalla Schoettgen, Horae Hebraicae, II, 696). Jesus soll, nach dem Talmud, von seinem Lehrer dem Rabbiner Josua in Ägypten die Magie gelernt haben und so ein Zauberer geworden sein, ein Verderber und Gaukler der Israeliten (Gemara Sanhedrin Fol. 107). Durch Magie und Zaubereien habe Jesus das Volk korrumpiert und so getan, als ob die Wunder aus seiner eigenen Macht kämen. (Tract. Schabbat. Fol. 104). Das habe  dahin geführt, dass er einen Tag vor Ostern verurteilt worden sei, weil er das israelitische Volk zu einem fremden Glauben verführt habe. Und weil sein Benehmen unentschuldbar gewesen sei, sei Jesus mit 33 Jahren nach dem Urteilsspruch von Pontius Pilatus am Tag vor Ostern gekreuzigt worden (Sanhedrin Fol. 43; s. weitere Einzelheiten bei. R. T. Herford, „Christianity in Talmud and Midrash», 1904 und ders.: „Christ in Jewish literature» in: Hastings Dictionary of Christ and the Gospels II, 876-878; W. Bauer, „Das Leben Jesu im Zeitalter der neutestamentlichen Apokryphen», S. 452-486).

So bezeugt die im Talmud erhaltene jüdische Tradition einerseits Jesus Christus als historische Existenz, weist andererseits auf seine Geburt von einer nicht verheirateten Frau sowie auf sein wundertätiges Handeln hin. Die jüdische Tradition bestreitet Christi Wunder nicht, schreibt sie aber der Einwirkung dämonischer Mächte zu und wiederholt hierin das, was die Führer des Volkes, die Pharisäer, zu Jesu Zeiten behauptet hatten, nämlich dass «εν τώ άρχοντι τών δαιμονίων εκβάλλει τά δαιμόνια»[29]. (Mt. 9,34).

Die sich gegen den Herrn richtende jüdische Mythenbildung, die mit den Schreibern und Pharisäern zu Jesu Lebzeiten begonnen hat, wurde nach seinem Kreuzestod durch neue Daten vergrößert. Deswegen klagt Justin Mitte des 2. Jahrhunderts die Führer der Juden an, sich bemüht zu haben, Gotteslästerungen gegen Jesus in aller Welt zu verbreiten („Διάλογος προς Τρύφωνα», 8,117[30]). Die ersten Daten dieser Mythenbildung, die, wie gesagt, zum ersten Mal im Talmud vorkommen, erschienen schließlich mit ihren Ergänzungen in dem Werk „Toledoth Jeschu»[31], das Agobard von Lyon (830 n. Chr.) schon im 9. Jahrhundert in Grundzügen bekannt war und das noch bis kurz nach dem  Ende des Mittelalters Unruhe gestiftet hat. Anfang des 20. Jahrhunderts hat der Deutschjude Samuel Krauss dieses Werk unter dem Titel: „Das Leben Jesu nach jüdischen Quellen» (1902) wieder veröffentlicht Die Verleumdungen und durchweg lächerlichen Lügengebilde dieser billigen Schmähschrift werden von Meyer als «Explosion von primitivem Fanatismus, boshaftem Sarkasmus und plumpen Erfindungen» gebrandmarkt. Eine Widerlegung der Mythenbildung über Jesus im Talmud, die auch dem obigen Werk einverleibt ist, hat Professor H. Laible in seinem Werk „Jesus Christus im Thalmud» (1891, 2. Auflage 1900) veröffentlicht.

Tatsache ist, dass ALLE, noch die Gegner Christi, in den ersten Jahrhunderten nach Christus seine Existenz niemals geleugnet haben. Die Leugnung ist ein modernes Phänomen von Menschen, die Christus aus ideologischen Gründen ablehnen, und, da sie seine Lehre nicht angreifen können, seine Existenz anzufechten versuchen.

Aus den oben vorgestellten Daten ergibt sich deutlich, wie unhaltbar die Vorwürfe sind, dass Jesus Christus angeblich nicht existiert habe, weil er von nicht-christlichen Quellen nicht bezeugt werde. Es wird bewiesen, dass es nicht nur Zeugnisse gibt, sondern auch, wie seine voreingenommenen Gegner sich intensiv darum bemühen, diese Zeugnisse zu verleumden und zu verdrehen. Auf diese Weise dienen sie  ihrem vorgefassten Entschluss, Christus mit allen Mitteln zu leugnen,  aber nicht der Wahrheit.

Forschungstext
Raphael Papanikolaou

Übersetzung: Dimitra Ntasiou Deutschlehrerin in der Sekundarstufe.
Sprachlich durchgesehen von: Marion Alipranti-Conrad, Universität Athen

©Heiliges Kloster Pantokratoros


[1] „Jesus und die Geschichte» [2] „Jüdische Altertümer». [3] „Gegen Celsus».
[4]
„Kirchengeschichte» [5] „Das Schweigen des Josephus» [6] „Jesus als geschichtliche Person» [7] „Jesu Leben»
[8]
„Buch des Titels»
[9]
„jüdische Altertümer»
[10]
„Kirchengeschichte»
[11]
„Kirchengeschichte»
[12]
„Jesus Christus, Griechentum-Christentum»
[13]
„Geschichte des jüdischen Krieges»
[14]
«Seitdem ist die Generation dieser Christen Genannten weiter gewachsen»
[15]
„Apologetische Studien».
[16]
Panarion» (auch bekannt als „Adversus Haereses»)
[17]
„Pilatus Brief an König Claudius»
[18]
„ ermunternde Schrift für die Griechen »
[19]
„Apologetische Schrift»
[20]
„Chroniken»
[21]
„Göttliche Unterweisungen in Kurzform»
[22]
ein gewisser Christus
[23]
„über das Lebensende des Peregrinus«
[24]
„Wahre Lehre»
[25]
„Gegen Celsus»
[26]
„Jesus und die Geschichte»
[27]
«ich bin nicht gekommen, um das Gesetz aufzuheben, sondern um es zu erfüllen»
[28]
„Jesus als geschichtliche Person»
[29]
«Mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die  Dämonen  aus.»
[30]
„Dialog mit  Tryphon»
[31]
„Genealogie Jesu»

Quelle:   http://www.impantokratoros.gr/zeugnisse-Christus.de.aspx